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Archive for the ‘Ereignisse’ Category

Und am Ende herrscht Schweigen

In Ereignisse, Tagesgedanken on 24. September 2011 at 18:19

Wie einige schon bemerkt haben dürften, hat sich meine Blogfrequenz auf dieser Plattform stark verringert. Das hat viele Gründe, die ich hier nicht alle aufzählen möchte. Vor allem aber ist die Zeit ein wichtiger Faktor, der immer geringer wurde. Ein guter langer Blogeintrag benötigt Zeit, und diese habe ich nicht mehr. Zumindest nicht für WordPress.

Um trotzdem mein Mitteilungsbedürfnis befriedigen zu können, wechsle ich zum Microblogging. Genauer:

http://herrdaimon.tumblr.com/

Ich danke allen Lesern für die Zeit, die sie für mich geopfert haben. Es hat mir grossen Spass gemacht, für euch zu schreiben und Diskussionen anzustossen, deren Ergebnis selbst mich manchmal überraschte. Einfach nur Danke.

Auf tumblr werde ich mich auch in Zukunft mitteilen. Hier aber herrscht ab jetzt Schweigen…

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Des Lebens Freude

In Ereignisse, Tagesgedanken on 12. Juni 2011 at 10:38

Ich sitze hier vor meinem Fenster, ungewaschen, unrasiert, in der Hand die erste Tasse Kaffee. Der Blick nach draussen offenbart mir die Schönheit des Morgens – die Sonne scheint, der Himmel leuchtet blau, Vögel fliegen und zwitschern. Dann und wann landet sogar ein kleiner Spatz auf dem Balkongeländer, hält inne und sieht mich an bevor er wieder weiter fliegt. Bei den Wohnungen gegenüber steht ein Pärchen auf dem Balkon und frühstückt.
Im Hintergrund spielt und singt Clueso vom Bleiben und Weggeh’n, vom Kommen und Geh’n, vom gemeinsam was unternehm’n.

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Die spanische Revolution, oder, Wie prügle ich als Polizist wahllos auf Menschen ein.

In Ereignisse on 29. Mai 2011 at 14:58

Vorsicht, nicht unbedingt etwas für schwache Nerven!

Ich weiss nicht, ob ich zu diesen Bildern wirklich etwas sagen bzw. schreiben soll.
Nur soviel: Wie konnte es soweit kommen, dass in einem Rechtsstaat die Polizei so gegenüber unbewaffneten, unvermummten Demonstranten handeln kann bzw. darf?

Die Erkenntnis des Moments

In Ereignisse, Tagesgedanken on 4. April 2011 at 21:31

Es gibt Momente im Leben, in denen man seinen Körper verlässt, den Moment erlebt und einfach nur ist. Man betrachtet sich von aussen und staunt. Staunt, was man in diesem Leben bisher geleistet hat, staunt wer man ist und was man tut, staunt über den Charakter dieses Menschen. Wenn man die Seele untersucht, wendet und dreht, von innen nach aussen stülpt, findet man kein Staubkorn, keine schäbige Stelle, keinen dunklen Fleck, den man bemängeln oder ausbessern müsste. Und die Erkenntnis überkommt einen, das man ist und das man stolz darauf ist.

Zurück in seinem Körper findet man sich still lächelnd. Glücklich. Und voller überschäumender Lebensfreude und Energie.

Die Abneigung des Journalismus gegenüber Neuen Medien

In Ereignisse on 30. März 2011 at 09:16

Twitteraccount des @RegSprecher
Jüngst zeigte sich in einem Interview, dass der Journalismus wohl doch nicht so weit in punkto Neue Medien ist, wie man bisher annehmen durfte. Ein Beispiel:

Der Regierungssprecher der Deutschen Bundesregierung, Steffen Seibert, twittert seit einiger Zeit die neusten Ereignisse und Meldungen unter seinem eigenen Account @RegSprecher. Er unterstützt damit einen Trend, der sich schon länger abzeichnete. Auch andere Regierungen entdecken mehr und mehr die Neuen Medien für sich. So twitterte Barack Obama bereits während seinem Präsidentschaftswahlkampf sehr aktiv und engagiert.
Anlass zur Diskussion gab aber ein Tweet, in dem der @RegSprecher verkündete, dass Angela Merkel in die USA reisen würde. Für uns Normalsterbliche wohl nur eine Randnotiz, für die Berliner Hauptstadtjournalisten aber ein Skandal. Aber nicht der Inhalt sorgte, wie man sich denken könnte, für Diskussionsstoff, sondern die Tatsache, dass diese Nachricht zuerst über Twitter bekanntgegeben wurde, anstelle des üblichen Weges über die Presseagenturen.

So weit, so gut. Der eigentliche Anlass zur Sorge und Grundlage für dutzende ironische Blogs und noch viel mehr Tweets war aber die Reaktion der Journalisten während einer Pressekonferenz mit dem Stv. Regierungssprecher Dr. Steegmans, in der die Medienvertreter eine unglaubliche Ignoranz gegenüber Twitter an den Tag legten. Sie brillierten mit beinahe steinzeitlichem Wissen über ein Medium, das massgeblich am Sturz von mehreren Regierungen in Nordafrika beteiligt war. Medienvertreter, die doch eigentlich die Kompetenz besitzen müssten, aus sämtlichen Nachrichtenmedien die neusten Informationen herausfiltern zu können und für eine Leserschaft aufzubereiten. Einige Ausschnitte daraus:

FRAGE: Herr Dr. Steegmans, muss ich mir in Zukunft einen Twitter-Account zulegen, um über relevante Termine der Bundeskanzlerin informiert zu werden?

Für diejenigen, die Twitter nicht nutzen: Der @RegSprecher hat seine Tweets öffentlich gemacht, sodass jeder, ohne ein Konto anlegen zu müssen, diese mitlesen kann.

ZUSATZFRAGE: Diese Twitter-Nachrichten haben einen Nachrichtenwert. Sie sind auch durchaus schon in Mitteilungen aufgegangen. Der Nachrichtendienst Twitter ist nicht sicher. Ich habe vorhin im Internet nachgeschaut. Es gibt zahlreiche Beispiele für Fälschungen von Schauspielern, so Beispiel Martina Gedeck bis hin zum Dalai Lama. Kann ich davon ausgehen, dass das, was dort getwittert wird, wirklich sicher ist? Das kann ja durchaus Folgen haben.

Die Frage stellt sich hier: Was ist sicher? Selbst die Websites der Regierungen, der Geheimdienste oder Banken sind nicht sicher, geschweige denn all die Social Networks. Auch reale Gebäude sind nicht sicher, was verschiedenste Einbrüche beweisen. Wofür gibt es denn Versicherungen? Um Unsicherheiten und Eventualitäten finanziell abzufedern.
Fazit: Das Leben ist nun mal nicht sicher. Wer das verlangt, hat jeglichen Sinn für die Realität verloren.

Aber weiter:

ZUSATZFRAGE: Die Frage ist: Kann es sein, dass außer über Twitter über diese USA-Reise im Juni nirgendwo berichtet wurde? Das ist ja eine andere Qualität. Wenn Herr Seibert twittern will, weil er Zeit hat, ist das alles gut und schön. Aber das geht ja bis hin zu der Frage, wozu man dann noch Chefs vom Dienst braucht, wenn Herr Seibert die Termine twittert.

SRS DR. STEEGMANS: Sie wollen doch in Wahrheit wissen, ob es eine Benachteiligung ist, dass eine Information möglichweise statt über den CvD-Verteiler über Twitter herausgegangen ist. Nein, diese Auffassung teilen wir nicht.

Und hier trifft Dr. Steegmans meiner Ansicht nach ins Schwarze. Es geht schlichtweg nur um den befürchteten Verlust der Informationsweitergabehoheit. Nicht mehr die Journalisten sind es, die relevante Nachrichten weitergeben können, sondern jeder kann das. Wobei die Journalisten hier verkennen, dass die Regierung relevante Nachrichten weitergibt. An jeden. Sowas kann man durchaus auch unter dem Begriff der Demokratie einbinden. Mitbestimmungsrecht, aber auch das Recht auf den Erhalt ungefilterter und neutraler Ergebnisse dieser Mitbestimmung. Was Neutralität in Verbindung mit Medien zu tun hat, brauche ich hier kaum näher auszuführen. Niemand kann eine völlig unbeeinflusste Weitergabe von Nachrichten garantieren.

FRAGE: Herr Dr. Steegmans, als älterer Mensch, der mit diesen neumodischen Kommunikationsformen nicht so vertraut sind, eine grundsätzliche Frage: Hat es irgendwann einmal vonseiten des Bundespressamtes einen Hinweis darauf gegeben, dass nun auch über Twitter wichtige Informationen verbreitet werden und man sich möglicherweise als Kunde oder Follower ‑ ich weiß nicht, wie das dort heißt ‑ anmelden müsste?

Dazu eine direktie Bemerkung an den Journalisten: Sie sind Medienschaffender. Wie in jedem anderen Beruf müssen Sie sich stets weiterbilden, unabhängig, wie alt sie sind. Machen Sie sich also mit diesen „neumodischen Kommunikationsformen“ vertraut, denn diese sind die Zukunft.

FRAGE: Offen ist ja noch die Frage, ob die Sicherheitsanforderungen überprüft wurden. Hat Herr Seibert das gemacht, weil er ein junger tougher Typ sein will? Wurde das durch diesen ganzen BND-, BKA- und sonstigen Apparat „durchgerattert“, und am Ende stand, das können wir machen, da können wir auch Regierungs-, Kanzlertermine herausgeben, das ist eine sichere, seriöse Quelle, oder ist das einfach nur mal aus Lust und Laune heraus erfolgt?

Alarmierend, dass die Überprüfung durch die Geheimdienste gar gefordert wird. Nichtsdestotrotz: Wenn sämtliche Geheimdienste der USA, Grossbritannien und Frankreich nichts dagegen haben, wieso sollte dann gerade BKA oder BND etwas finden?

Abschliessend bleibt nur zu fragen: Wie soll die „Elite“ des Journalismus die Bevölkerung ausreichend über Aktualitäten informieren, wenn sie sich nicht die Mühe machen, sämtliche möglichen und relevanten Quellen einzubeziehen? Sei es aus Arroganz, Faulheit oder Unsicherheit, nichts von dem ist eine Rechtfertigung zur Meidung des Trends zu den Neuen Medien. Nichts.

Die Mitschrift der Pressekonferenz findet man übrigens unter diesem Link, das Video unter diesem Link.

In Erinnerung an Dich

In Ereignisse on 27. Februar 2011 at 22:04

Lange Jahre ist es her, seit ich dich zum ersten Mal traf. Rückblickend kommt es mir vor, als wäre es wie in einem früheren Leben von mir gewesen.
Grau und neblig scheinen mir die Erinnerungen an diese Zeit. Und doch schwemmt die Trauer um dich nun so viele Erinnerungen und Gefühle in mir hoch.
Dein Lachen, welches so markante Grübchen in deine Mundwinkel zauberte, nahm mich damals für dich ein. Deine leuchtenden Augen bannten mich. Deine Lebhaftigkeit und Lebensfreude fesselten mich. Wenn ich mir heute Fotos von dir ansehe, sehe ich in Gedanken immer noch die Momente vor mir, die mich damals verzauberten.

Auch wenn wir uns nur für kurze Zeit sehr nahe gekommen sind, ist die Zeit mit dir doch eine stets gut gehütete Erinnerung von mir geblieben.

Ich danke dir für all das, was du mir in meinem Leben gegeben hast und wünsche dir dort, wo du jetzt bist, nur das Beste. Ich bin überzeugt, dass dieser Platz wundervoll sein muss, dir immerwährende Freude bereitet und dich von deinen Schmerzen erlöst. Ich wünsche es dir.

Ruhe in Frieden, Nicole.
In meinem Herzen wirst du immer einen Platz inne haben.

Man trifft sich immer zweimal im Leben

In Ereignisse, Tagesgedanken on 9. Februar 2011 at 08:47

Zitat aus einem früheren Blogpost vom 25. Juni 2010:

Oder dann diese eine Pendlerin.. Sie ist etwa in meinem Alter, eher sogar ein wenig älter und steigt jeweils schon im Bus an der Haltestelle Univerität in Basel Richtung Bahnhof zu. Immer an der gleichen Haltestelle, meist mit einem dieser Thermobecher in der Hand, die letzten Winter so in Mode kamen. Tee. Und ja, sie ist hübsch, aber darum geht es hier nicht.
Wie ich bisher herausgefunden habe, kommt sie aus Luzern (ich vermute aus einem Vorort) und hatte bis im Winter einen Freund. Der pendelt zwar immer noch jeden Tag nach Basel, aber nicht mehr mit ihr und wenn, dann sitzen sie zwei Wagen auseinander.
Interessant an ihr finde ich, dass wir zweimal kurz miteinander gesprochen haben. Das erste Mal fragte sie mich im Bus, weil ich neben einem leeren Sitz stand (ich bin Stehbusfahrer), ob der Platz noch frei wäre. Und das zweite Mal sass ich schon im Zug mit meinem Englischheft in der Hand (ich hatte vor einer Woche meine CAE-Prüfungen), als sie an mir vorbeilief und ein Abteil weiter ihre Taschen hinlegte. Blick zu mir, Blick aufs Heft. „Machst du das Proficiency?“ Ich meinte dann nur, dass ich mich erst mal am Advanced versuchen würde. Das Proficiency wäre mir noch zu heiss. Sie hat übrigens das Advanced vor ein oder zwei Jahren auch gemacht, ich vermute mal in einem Auslandaufenthalt.
Achja, und sie scheint Italienerin zu sein, oder zumindest ist es ein Elternteil, denn sie spricht fliessend Italienisch. Aber seit einigen Wochen treffe ich sie nicht mehr im Zug oder Bus. Hat sie andere Arbeitszeiten? Hat sie ihre Arbeitsstelle gewechselt? Ich weiss es nicht. Und bald sehe ich sie kaum noch, da ich ja Richtung Basel umziehe. Schade eigentlich, denn irgendwie habe ich sie gemocht. Obwohl kaum miteinander geredet, war es auf eine gewisse Art und Weise eine Freundschaft.
Ich kenne nicht mal ihren Namen…

Heute Morgen im 30er Bus:
Die Tür geht an der Haltestelle Bahnhof SBB auf und eine vollbepackte blonde Frau bahnt sich den Weg hinein. Ein kurzer Blick und Erinnerungen fluten meine Gedanken. Damals, das allabendliche Pendeln von Basel nach Luzern, das Praktikum hier, all die Freundschaften von damals, die heute leider etwas abgekühlt sind, dafür aber vielen Neuen Platz gemacht haben, und mittendrin und stets dabei: Sie.
Sie hat mich erkannt und mir zugelächelt. Mehr nicht. Sie scheint sich nicht verändert zu haben.
Seltsam, wie das Leben so spielt…

Ein kleiner Schritt für mich

In Ereignisse, Tagesgedanken on 26. Januar 2011 at 10:44

Eines Abends komme ich etwas später als gewohnt nach Hause. Zwar wartet wohl meine Frau schon seit längerem mit dem Abendessen auf mich, doch das Feierabendbier mit meinen Freunden war mir wichtiger. Wobei: es waren wohl eher mehrere Feierabendbiere. Zumindest sagt mir das die leicht verschwommene Sicht und mein etwas unsicherer Gang.

Ich schliesse die Tür zu unserer Wohnung auf und werde bereits erwartet: im Gang steht meine Frau, die mich mit einem vorwurfsvollen Blick ansieht und meint, dass ich etwas spät dran sei und das Essen nun leider schon kalt sei. Ihr Blick stört mich und senkt meine Laune bereits um etliche Stufen. Wie ich es hasse, wenn sie mich so ansieht. Tausend Vorwürfe scheinen aus ihren Augen zu sprechen. ‚Er hat wieder getrunken‘, ‚Er meldet sich ja nie‘ und ‚Seine Arbeitskollegen sind ihm wichtiger als ich‘ sind nur einige davon.
Schon leicht genervt entgegne ich ihr, dass ich länger arbeiten musste und dann in der Bar die Zeit etwas aus den Augen verlor. Auf ihre Frage, ob ich wieder ein Bier zuviel getrunken hätte zucke ich nur mit den Schultern.
Sie dreht sich wortlos um und beginnt, geräuschvoll den Tisch abzuräumen. Hunger habe ich sowieso keinen mehr und bei dieser Stimmung vergeht mir der Rest von Appetit. Ich laufe ins Bad und leere erst einmal meine vom Bier gefüllte Blase. Das Geklirr von Geschirr klingt bis hierher. Oh, wie sie mich wütend macht! Dabei ist das genau ihr Ziel! Jedes Klirren trieft vor Vorwürfen und unterdrücktem Zorn. Ich fühle, wie sie innerlich auf mich herabsieht und sich für etwas Besseres hält. Wütend drücke ich auf die Spülung der Toilette und marschiere ohne die Hände zu waschen aus dem Bad, direkt in die Küche. Ich schleudere ihr meine ganze Wut ins Gesicht. All die angestauten Gefühle, die ihre Vorwürfe in mir auslösen, schleudere ich ihr konzentriert ins Gesicht.

Sie steht nur wortlos da und blickt mich mit unverhohlener Abneigung an. Dann, auf einmal, schreit sie los. Was ich für ein Ekel sei, ein versoffener Schweinehund, ein liebloser, widerwärtiger Dreckskerl. Bei diesen Worten steht sie so nah vor mir, dass ich die wütenden Blitze aus ihren Augen förmlich spüren kann. Ihr Gekeife macht mich noch zorniger. Ihre Nähe stört mich und ich schubse sie weg von mir. Voller Wut greift sie zu einer Pfanne und schleudert sie nach mir. Ich ducke mich weg und laufe aus der Küche. Oja, es reicht endgültig. Ich hasse sie, ich verabscheue sie. Ein Leben ohne sie wäre ein Traum, mit ihr bleibt nur noch die Hölle. Und ein Plan entsteht vor meinem inneren Auge. Verfolgt von ihrer wütenden Stimme gehe ich zum Wandschrank im Gang. Ich sehe sie bereits mit einem Küchenbrett auf mich zu kommen, die reine Mordlust in ihren Augen. Ich greife in den Schrank und nehme etwas heraus. Im Regal obendrüber, ganz hinten, findet meine suchende Hand das ersehnte Objekt. Länglich und quaderförmig, aus Plastik, mit metallischem Inhalt.

Ich schliesse den Schrank. Da sieht sie, was ich in der Hand halte. Ihre Augen weiten sich, ihre Hand mit dem Brett senkt sich. Sie stottert entsetzt und fragt mich, was das solle. Ob ich den Verstand verloren hätte. Ich höre ihre Worte nicht, ich höre nur noch ihr Gekeife und ihre Beleidigungen von vorhin. Ein widerwärtiger Dreckskerl, ein versoffener Schweinehund sei ich. Oh, ich werde ihr zeigen, wie widerwärtig ich sein kann. Ich lasse das Plastikobjekt einrasten und hebe den Lauf meines Sturmgewehrs. Wie im Schlaf lege ich die Waffe an und entsichere sie.
Die Alte beginnt zu stammeln und zu weinen. Sie fleht mich an, die Waffe wegzulegen und vernünftig zu sein, doch ich höre sie nicht. Das Blut pulsiert vor Zorn in meinen Adern und lässt mich nur noch ein rythmisches Pochen in den Ohren hören.
Ich drücke ab.

Endlich frei, jubiliere ich. Endlich höre ich nicht mehr ihre Vorwürfe, ihre Wut, ihr Gekeife. Natürlich trank ich etwas zuviel in letzter Zeit, natürlich war ich nicht der liebevollste Ehemann. Minute um Minute verrinnt, während ich nur so da stehe, mit der Waffe in der Hand. Ich begutachte den sich rot färbenden Teppich. Leblos liegt sie da.

Etwas zerbricht in mir. Ich blicke auf den Lauf der gesenkten Waffe. Schwer zieht sie an meiner Hand. Der eigentümliche Geruch eines abgefeuerten Schusses hängt in der Luft. Angewidert lasse ich das Gewehr auf den Boden fallen.
Ich erwache wie aus einer Trance, der Blutdruck auf Normalniveau, der Zorn verflogen. Und Trauer füllt meine Augen und mein Herz. Ich fühle mich wie in einem Albtraum, doch ein Erwachen ist nicht möglich, denn der Traum ist Wirklichkeit. Voller Schrecken und Verzweiflung sehe ich, was ich angerichtet habe. Eine Angst überkommt mich, wie ich sie noch nie in meinem Leben gespürt habe. Ich habe getötet, gemordet. Nur weil ich wütend war. Ich werde den Rest meines Lebens im Gefängnis verbringen. Alle meine Freunde werden mich angewidert ansehen, meine Familie wird mich hassen! Ich werde alleine sein. Wie tot.

Wie in Trance gehe ich ins Wohnzimmer, trete hinaus auf den Balkon in die kühle Abendluft. Ein tiefer Atemzug, dann klettere ich auf das Geländer. Unter mir ist sehr viel Luft, den Boden erkenne ich nur schemenhaft. Eine leichte Neigung nach vorne und ich falle.
Weg aus dem Leben.

Die Macht der Erinnerung

In Ereignisse on 16. Januar 2011 at 19:16

Einmal aufgeräumt, stapeln sich Dinge, die ihren Platz verlassen müssen. Viele Dinge. Und nicht nur Materielle. Gegenstände finden sich in den eigenen Händen wieder, die einen augenblicklich mit Erinnerungen überfluten.

Eine Dose, die man einmal geschenkt bekam;
Bücher, die man einst ausgeliehen (aber immer noch nicht gelesen) hatte;
ein Faltblatt eines Hotels in München, in dem man mal ein Wochenende verbrachte;
und die ein oder andere weitere Kleinigkeit.

Und all diese Erinnerungen lassen einen von der wirklichen Welt abschweifen, lassen die Gedanken fliegen in vergangene Zeiten. Eindrücke von Traumwelten gestalten Gefühlshintergründe und unscharfe Bilder. Vereinzelt tauchen Szenen auf, die einem gut in Erinnerung blieben:

Konzerte, die man erst spät mit schweissdurchtränktem T-Shirt verliess, die Beine der vielen Tanzerei wegen kaum mehr fähig zu laufen;
Weihnachtsfeiern im Kreise der Familie, nicht der Geschenke wegen in guter Erinnerung geblieben;
Frühstück in fremden Städten, mit teilweise fremden Menschen und einer Karte mit Dutzenden von Trinkschokolade-Variationen;
die glänzenden Augen eines Mädchens, mit dem man zu langsamer Musik Walzer-Runden drehte;
und nicht zuletzt das Kribbeln im Bauch, das die Nervosität und den Reiz von neuen Erfahrungen ankündigt.

Was wären wir nur ohne all diese Erinnerungen…

Zweite Plattform

In Ereignisse on 15. Januar 2011 at 18:00

2Lounge

Da sich im Verlauf der Zeit meine Interessen etwas erweitert und auch verschoben haben, engagiere ich mich nun auch noch bei einem zweiten Blog und veröffentliche dort immer mal wieder Beiträge, vorallem zu den Themen Politik und Soziales. Ich werd zwar auch hier weiterhin meinen Senf abgegeben (teilweise zum Leidwesen der Leserschaft, die übrigens seit Start des Blogs Mitte des letztes Jahres stetig gewachsen ist). Allerdings werd ich hier vorwiegend über Privates, Kreatives und gewisse Erlebnisse schreiben.

Der neue Blog, bei dem ich mitmache, liegt aber nichtsdestotrotz genau auf meiner Linie, auch was die Art des Humors anbelangt. Darum: unbedingt mal reinschauen!
www.2lounge.ch